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News: Ehemaliger Bundespräsident war Ehrengast beim Juister Stiftermahl
Alle fünf Jahre führt die Juist-Stiftung ein sogenanntes Stiftermahl durch, am Samstagabend war es wieder soweit. 85 geladene Gäste fanden sich in der evangelischen Inselkirche beim nunmehr vierten gemeinsamen Essen ein, denn die Bürgerstiftung kann in diesem Jahr auf ihr zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. Wer als Ehrengast die Festrede halten soll, darüber schwiegen Vorstand und Stiftungsrat lange und beharrlich, denn Bundespräsident a.D. Christian Wulff hatte bereits vor drei Jahren die Einladung angenommen und zugesagt.
Vorstandsvorsitzende Inka Extra konnte eine große Zahl von Gästen begrüßen. Ihr Dank ging an alle Helfer und Sponsoren (siehe unten), ebenso an die Evangelische Kirchengemeinde, die nunmehr zum dritten Mal ihr Gotteshaus für diese Veranstaltung zur Verfügung stellte. (Ein Stiftermahl vor fünf Jahren fand in der „Strandhalle“ statt.) Extra: „Dieser Raum passt gut, eine Kirche steht für Gemeinschaft, Besinnung und Verantwortung, alles Dinge, die auch für uns als Bürgerstiftung gelten.“ Sie erinnerte besonders an ihren Vorgänger Dieter Brübach, ohne den es die Bürgerstiftung wahrscheinlich nicht geben würde. Brübach, zuletzt Ehrenvorsitzender der Stiftung, ist Anfang vergangenen Jahres verstorben.
Nach jedem Stiftermahl wird bei JNN oftmals gefragt, was man tun muss, um ebenfalls daran teilnehmen zu können. Wir fragten beim Stiftungsvorstand nach, Finanzvorstand André Ebbighausen sagt dazu, dass es immer möglich ist, mit einer Zustiftung ab 1.000 Euro Stifter zu werden. Dann werde man automatisch zum nächsten Stiftermahl eingeladen.
Die Stiftung arbeite vielfältig und facettenreich, stellte Inselpastorin Stefanie Lohmann in einem kurzen Segensgruß fest. Stolz könnte man auf die Leistungen der abgelaufenen 20 Jahre sein und der heutige Tag sei wirklich ein Grund, das zu feiern. Anschließend sangen alle Anwesenden den den irischen Segen „Möge die Straße….“, begleitet von André Ebbighausen auf dem Schifferklavier. Getreu dem Motto „wer jedes Jahr acht Inselbürgermeister zum Singen bekommt, bei dem singt auch ein ehemaliger Bundespräsident.“
Christian Wulff fühlte sich auf dem Stiftermahl sichtlich wohl. Er war schon in früher Kindheit mit den Eltern im Urlaub auf der Insel, weihte 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident den Yachthafen mit Seebrücke und Seezeichen ein und nahm auch an Klausurtagungen auf Juist teil. Seine Zeit in Hannover nannte er an diesem Abend die schönsten Jahre seiner politischen Laufbahn.
In einer beeindruckenden Rede nahm Wulff das Jubiläum der Stiftung zum Anlass, einmal auf „einhundert Jahre von 1946 bis 2046“ zu blicken, wobei er mit gemischten Gefühlen auf die noch bevorstehenden zwei Jahrzehnte sehe. Die heutige Generation in Deutschland können auf 80 Jahre Frieden zurückblicken, ein Leben ohne Krieg sei nicht selbstverständlich und war früheren Generationen nicht vergönnt. In diesen 80 Jahren sei viel passiert, die ersten Worte der Versöhnung im Jahre 1965 durch polnische Bischöfe, darunter dem späteren Papst Johannes Paul II., nach der Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc als Grundlage der lange Weg zur Wiedervereinigung und der Aufstieg nach Kriegsende aus Trümmern bis zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Erde.
Möglich wurde all dieses durch Demut, die heute leider oft durch Gleichmut ersetzt würde. Von 84.000 Millionen Einwohnern seien heute nur noch eine Millionen als Mitglieder in Partien aktiv, immer weniger Menschen lesen eine Tageszeitung oder sehen die Tagesschau, sondern informieren sich über soziale Medien und anderen, teilweise wenig verlässliche Quellen. Wulff: „Viele Menschen haben heute nur noch zwei Meinungen, die eigene und die falsche.“
Mit Sorge blickt das ehemalige Staatsoberhaupt über den Atlantik, wo er mit Donald Trump einen Präsidenten sieht, der zusammen mit seinen Mitstreitern das vereinigte Europa von heute wieder zerstören möchte. „Es erzeugt Unbehagen, wenn ein ehemaliger VOX-Moderator plötzlich Verteidigungsminister wird und als erstes sein Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenennt.“ Lobende Worte fand Wulff für den amtierenden Papst Leo XIV, der sich im Kampf gegen Trump nicht unterkriegen ließe.
Nichts kam in den Nachkriegsjahren bis heute von allein, es gab eine tolle Entwicklung, aber niemand wolle diese Zeit zurück haben. Und allen, die das heutige Deutschland schlecht reden, gab Wulff zum Schluss etwas mit auf den Weg, was er auf seinen vielen Reisen in alle Welt erfahren habe: „Die ganze Welt denkt positiver über uns als wie wir selbst.“
Bürgermeister Dr. Tjark Goerges ging insbesondere auf das Wirken der Juister Bürgerstiftung ein, er freue sich, dass zwanzig Jahre nach der Gründung auch eine neue Generation komme, die sich weiterhin engagieren wolle. Das Ziel der Stiftung, man wolle „Juist lebenswert erhalten“, stand in den letzten zwei Jahrzehnten immer im Mittelpunkt und wurde durch vielfältige Projekte und Aktivitäten umgesetzt. Diese Liste sei unendlich lang, so Goerges und „die Stiftung ist überall sichtbar, weil Menschen sich engagieren.“
Gerhard Rinderhagen war als Gründungsmitglied der Stiftung dabei, er fand besonders lobende Worte für das als Kassenwart tätige Vorstandsmitglied André Ebbighausen, der im Laufe der Jahre viel Geld eingeworben und rausgeholt hatte. Als Vorsitzender der NO.PO.NI.RE.AG, die für das Juister Memmertfeuer verantwortlich ist, sprach er der Stiftung nochmal einen großen Dank aus für die große Hilfe bei der Sanierung vom Turm und Feuerhaus.
Die Juist-Stiftung mache auch die Arbeit der Feuerwehr in vielen Bereichen leichter, stellte Michael Bockelmann als Vertreter von Inselwehr und Musikzug heraus. Bockelmann, der auch zu den Gründungsmitgliedern der Stiftung gehört, sprach besonders die Zweitwohnungsinhaber auf Juist an, diese könnten sich nicht aktiv in Vereinen einbringen, weil sie die meiste Zeit nicht auf der Insel seien, aber über die Bürgerstiftung hätten sie die Möglichkeit, etwas für die Insel zu tun.
Karin Rass, die Stiftungsratsvorsitzende der Bürgerstiftung Norderney, war zusammen mit Rolf Harms, der als Vertreter der AG Reederei Norden-Frisia als einer der Hauptsponsoren dabei war, nach Juist gekommen. Sie lobte die Zusammenarbeit der beiden Insel-Bürgerstiftungen; die gute Verbindung sei vor allem André Ebbighausen, der in beiden Stiftungen aktiv tätig ist, zu verdanken. Sie sprach den Juistern schon eine Einladung für nächstes Jahr aus, wenn die Bürgerstiftung Norderney ihr 25jähriges Bestehen feiert. Als neues Projekt übergab sie den Juistern ein Norderney-Memory-Spiel. Auch Christian Wulff war das spezielle Verhältnis der beiden Inseln nicht unbekannt, er kommentierte dieses augenzwinkernd mit „ganz schön mutig, die Frau.“
Finanzvorstand André Ebbighausen konnte anhand von Zahlen die positive Entwicklung der Stiftung darstellen. Aus den 66 Stiftern bei der Gründung wurden inzwischen 168 und aus dem Grundkapital von 106.000 Euro sind inzwischen mehr als 1,2 Mio. Euro geworden. Zudem konnte rund eine halbe Millionen Euro in die verschiedensten Projekte oder als Hilfe für Projekte oder Anschaffungen an andere Institutionen, die Kommune oder Vereine gegeben werden.
Ausgeschenkt wurde an diesem Abend ein Grauburgunder und ein Secco vom Weinhof Scheu aus der Pfalz. Georg Lang vom Juister Weinkontor Altmanns hatte sich um diese Getränke gekümmert und erläuterte kurz, wie die Stiftung gerade an diesen Wein kam. Zuerst begrüßte Lang aber als Vorstandsmitglied und Sänger vom Juister Shantychor Christian Wulff in dessen Eigenschaft als Präsident des Deutschen Chorverbandes (DCV).
„Standing ovation“ von den Teilnehmern gab es auch, denn ein besonderer Dank ging an die Inhaber und die Küchen- und Serviceteams der Hotels „Friesenhof“ und „Achterdiek“, die für das leibliche Wohl sorgten. Als Vorspeise gab es eine Kartoffel-Lauchcremesuppe mit Nordseekrabben, Hauptgericht war ein bunter Fischteller mit dreierlei Matjesfilet, Heringssalat, Rauchlachs, geräucherter Butterfisch, Goldlocken, Stremellachs, dazu Ofenkartoffel und verschiedene Soßen. Als Nachtisch dann Erdbeer-Rhabarberkompott mit Vanillesoße und Juister Eiscreme. (Da am kommenden Tag wieder der Sonntagsgottesdienst im Raum anstand, wurde auch diesmal wieder bewusst darauf verzichtet, Speisen wie etwa gebratener Fisch o.ä. zu reichen, welche Gerüche hinterlassen würden.)
Ein weiterer Dank ging an die Musikgruppe „Sparkling Souls“ aus Hannover, die an diesem Abend mit ihren soulful jazzigen Songs aufspielte. Diese verzichteten nicht nur auf ihre Gage an diesem Abend, sondern verlegte zugleich ein für diesen Tage geplantes Konzert in der Dresdener Semper Oper. (Für unsere Leser aus Dresden: Neuer Termin für das Konzert dort ist der 23. April)
Die Band „Sparkling Souls“ besteht laut ihrer Internet-Präsentation aus Katharina Pittelkow (Gesang), Frank Grebe (Saxophon), Holger Thye (Keys), Michael Pittelkow (Bass) und Frank Filodda (Schlagzeug). Auf Juist waren indes sechs Musiker auf der Bühne, so dass hier leider ein Name fehlt. Drei der Gruppenmitglieder gehören auch zur Formation „Erdbeershake“ und sind bereits auf Juist aufgetreten. Und ein Mitglied der Band soll Norderneyer Wurzeln haben, so dass insgesamt vier Leute von unserer Nachbarinsel dabei waren.
Der Erlös des Abends soll für ein neues Projekt der Juist-Stiftung verwendet werden, so ist die Anschaffung eines wetterfesten Bücherschrankes geplant, so sich Gäste und Einheimische Bücher ausleihen oder tauschen können.
Nachfolgende Firmen und Institutionen trugen als Sponsoren und Helfer dazu bei, dass das 4. Juister Stiftermahl so erfolgreich stattfinden konnte:
AG Reederei Norden Frisia, Norderney
Blumenmeer Juist
Das Kontor, M. Fuchs, Norden
Eiscafé Heiken
Evangelische Kirchengemeinde Juist
Freiwillige Feuerwehr Juist
Fuhrbetrieb Jochen Schwips
Gemeinde- und Kurverwaltung Juist
Getränke Fürstenberg Hotel Achterdiek
Hotel Friesenhof
Hotel Pabst
JNN, Juist Net News
Juister Auster
Nautilus-Juist
Süße Sachen, Familie Thomas
Villa Charlotte, Familie Extra
Zeitschriften Poppinga
Jazzband "Sparkling Souls" Hannover
TEXT UND FOTOS: STEFAN ERDMANN
Da JNN aus technischen Gründen nur zehn Fotos einstellen kann, folgt getrennt eine zweite Fotostrecke mit weiteren Bildern vom Stiftermahl.

