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News: Wie soll Juist künftig mit Wärme und Strom versorgt werden?
Kürzlich fand eine Informationsveranstaltung und Diskussion zum Thema Energie, Wärme und Strom im Vortragsraum vom Inselmuseum statt ein. Dazu eingeladen hatte die IG Loog, durchgeführt wurde der Abend von Hero Lang.
Nach der Begrüßung durch IG-Loog-Vorstandsmitglied Jens Heyken, der sich freute, dass trotz des Schnees auch interessierte Juister aus dem Ort ins Loog gekommen waren, gab es eine Einführung in das Thema mit der Darstellung des derzeitigen Ist-Zustandes in der Deutschen Bucht. Der gebürtige Juister Hero Lang wirkt in Bremerhaven als selbstständiger Fotograf, der vornehmlich für Industrie- und maritime Wirtschaft arbeitet. So konnte er eine Reihe von beeindruckenden Luftaufnahmen zeigen, wie es nördlich der Inseln mit den vielen Windparks aussieht und konnte viele interessante Infos dazu geben.
Auch Planzeichnungen, wie der Strom an Land kommt, zeigte er. Dabei wurde deutlich, dass der Offshore-Strom nur über die Inseln geleitet werden, ohne dass auch nur ein einziger Insulaner von dem Strom etwas erhält. Die Leitung von dem in der Nähe vor Borkum liegenden Windpark „Riffgatt“ wurde nicht über die Insel gelegt, sondern durch die Osterems, so dass auch dort keine Möglichkeit besteht, die Leitung anzuzapfen, um die Insel durch Windstrom zu versorgen. Auch informierte Lang darüber, dass kaum ein Privathaushalt in den Genuss des Offshore-Stroms käme, weil dieses alles von der Industrie aufgekauft und verwendet wird. Als Beispiel zeigte er den Eemshaven, wo Google ein riesigen Rechenzentrum errichtet hat, dessen Betrieb eine Unmenge von Strom verbraucht.
Schließlich kam man auf das direkte Lebensumfeld der Insulaner zu sprechen. Grundsätzlich gilt, dass jeder für die Versorgung seiner Immobilie selbst verantwortlich ist, Erdgas soll es aufgegeben werden, die Inselstromnetze sind in der Regel veraltet und bisher fehlt jegliche Infrastruktur zur Versorgung der Bevölkerung mit alternativer Energie. Ein großes Windrad könnte heute die komplette Insel mit Strom versorgen, mit der Verbrennung von energetischen Müll könnte man zumindest den kompletten Ortsteil Loog beheizen. Industrie, welches bei der Produktion als Nebenprodukt entstehende Wärme abgeben könnte, gibt es nicht. Wärmespeicher benötigen größere Investitionen, Erdwärme aus dem Boden ebenfalls. Das waren einige Fakten, die zusammengetragen wurden.
Auch kleine Gemeinden wie Juist müssen eine Wärmeplanung machen, dafür habe diese bis 2028 Zeit, so Bürgermeister Dr. Tjark Goerges auf der Versammlung. Juist sei dabei, schon vor zehn Jahren habe es eine erste Komplettanalyse zusammen mit der EWE gegeben, dabei stellte man fest, dass man die gesamte Insel per Photovoltaik versorgen könnte, auch seien die Speichermöglichkeiten heute sehr viel effektiver als vor zehn Jahren. Ebenso habe man die Verbrennung von energetischem Müll schon ins Auge gefasst, hierfür sei die Insel allerdings zu klein, denn selbst die kleinste Anlage benötigt jährlich 1.000 Tonnen Brennmaterial, damit sich die Sache rechnet, Juist käme indes nur auf 500 bis maximal 600 Tonnen. Zudem entstehen bei einer Verbrennung Gase, diese wiederum müsse die Insel im Auge halten, denn die Luftqualität sei ein wichtige Voraussetzung für den Status eines Kurortes. Goerges: „Schon jetzt gibt es einen hohen Anteil in der Luft, der wohl aus den Niederlanden kommt.“
Goerges selbst schweben Referenzobjekte die z.B. die Schule oder die Hallen am Hafen für Photovoltaik vor, die Kommune sei dabei, diese Dinge auszuarbeiten. Zu berücksichtigen sei dabei unter anderem, dass in der Hauptsaison sehr viel warmes Wasser vorhanden sein muss, weil dann Tausende von Gästen auf der Insel duschen würden. Für Häuser mit hohem Warmwasserverbrauch würde sich unter Umständen auch eine Dachlösung (Solarthermie) anbieten.
Es gab noch eine Reihe von Wortmeldungen, allen war dabei bewusst, wie wichtig das Thema Energieversorgung in der Zukunft ist. Ein Loogster bedauerte angesichts der Wichtigkeit, dass bei diesem Thema neben dem Bürgermeister nur ein einziges Ratsmitglied von den Grünen zugegen war.
Der Abend selbst sollte ein Einstieg in die Materie sein, neben der Kommune sollte sich auch jeder Hauseigentümer seine Gedanken machen, was sinnvoll sei und sich auch wirtschaftlich rechnen. Zu gegebener Zeit will man zu einer Folgeveranstaltung einladen und weiter über das Thema sprechen.
TEXT UND FOTO: STEFAN ERDMANN

