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Rat und Verwaltung: Bürgermeisterkandidatur von Sven Janisch steht noch nicht
Über 40 interessierte Juister fanden sich am Mittwochabend im „MeerZeit bei Sendils“ ein, um dem Informationsabend, zu dem die Wählergemeinschaft „Pro Juist“ eingeladen hatte, beizuwohnen. Dabei gingen wohl alle davon aus, dass hier der Bürgermeisterkandidat Sven Janisch vorgestellt wurde, allerdings sprach dieser nur von einem „Bewerbungsgespräch“, bevor er sich entscheiden wolle, ob er auf Juist kandieren wird.
Janisch begann 1990 mit seiner Ausbildung in der Verwaltung, heute ist er als Kämmerer der Stadt Sarstedt (Landkreis Hildesheim) tätig. Privat bezeichnete er sich als „Vereinsmensch“, der gerne ehrenamtlich tätig ist, so sei er Gruppenführer bei der Feuerwehr, aber auch im Schützen- und Sportverein aktiv. Als Grund für eine eventuelle Kandidatur auf das Amt des Juister Bürgermeisters führte er aus, dass es immer sein Ziel gewesen sei, zusammen mit seiner Frau auf eine Insel zu ziehen und dort zu wirken.
Daher hatte er sich auch im Vorjahr auf das Bürgermeisteramt der Insel Wangerooge beworben, wobei er dort gemeinsam von CDU, SPD und Grünen ins Rennen geschickt wurde. Die Wangerooger konnte insgesamt aus sechs Kandidaten wählen, womit schon im Vorfeld fest stand, dass es eine Stichwahl der beiden Bewerber mit den meisten Stimmen geben würde. So kam es dann auch, und neben Tina Mißmahl gehörte auch Sven Janisch zu den beiden Finalisten. Hier konnte sich dann die Wangeroogerin Mißmahl mit 56,9 Prozent durchsetzen, Janisch kam auf 43,1 Prozent. Durch diese Wahl wurde Pro Juist auf Janisch aufmerksam und fragten bei ihm an, ob er sich vielleicht auch eine Kandidatur auf Juist vorstellen könnte.
Die erste Frage aus dem Publikum kam von Veranstaltungs- und Marketingleiter Thomas Vodde, wie Janisch zu dem Tourismus als Wirtschaftszweig steht und wie er die Mobilität ohne Verbrenner in Zukunft sieht. Er sei offen für Neues ist, aber hinterfragte den Mehrwert für den Gast hinsichtlich der Pferdehaltung: „Ist dass das entscheidende Element?“ Doch schnell merkte er anhand der Reaktionen, dass er hier ins „offene Messer“ gelaufen ist und man keine Punkte auf Juist erringen kann, wenn man etwas gegen die Pferdehaltung sagt, daher stelle er sich auch im Nachhinein gegen PKWs.
Dann kam aus dem Publikum von einer Vermieterin die Anmerkung dass es zu wenig Entschuldigung für die Gäste gibt und oft Beschwerden, auf Grund der vielen zu schnellen E-Bikes auf den Juister Straßen. Julia Löhmann, die im Vorjahr den Bürgerentscheid gegen die geplante Bimmelbahn zum Flugplatz mit durchgezogen hatte, wollte wissen, wie er zu dem Thema ÖPVN steht und wie es weiter gehen kann. Eine weitere Frage ging in die Thematik Energie/Nachhaltigkeit/erneuerbare Energie, die Janisch als sehr wichtig und zukunftsweisend findet, allerdings immer vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit.
Von Heike Heiken, Ratsfrau der Grünen, kam die Frage nach den Kinder und Jugendliche, wie dort mehr für Inselkids und auch natürlich Gäste geboten werden kann, wie z.B. die Jugendisco etc. Er sei dazu klar der Meinung, den Betreffenden Gehör zu geben, wobei es sicher so sei, dass die Interessen von Juister Kindern und denen der Gäste verschieden gelagert sein dürften.
Ein weiterer Punkt war auch, dass es viele Konzepte, Befragungen, Gutachten usw. gibt, die einfach nicht umgesetzt würden. Sven Janisch sein großes Anliegen ist, alle Strukturen einmal zu prüfen, nicht zwingend zu ändern, aber anzuschauen. Dabei priorisiert er vor allem eine klare Trennung zwischen Gemeindeverwaltung und dem Eigenbetrieb Kurverwaltung. Alle Prozesse sollten überprüft, vor allem aber müsse der Haushalt gestärkt werden: „Als Bürgermeister ohne Geld hat man wenig Möglichkeiten,“ so Janisch, diese Dinge müssten sofort angegangen werden. Bereits zu Anfang der Veranstaltung ging er darauf ein: „Juist ist charmant, aber auch problematisch“, wobei er als Kämmerer explizit auf die Haushaltsdefizite vor allem beim Eigenbetrieb Kurverwaltung blickte. Auch in Sachen Digitalisierung sei auf Juist noch viel Luft nach oben.
Nach rund einer Stunde war die Vorstellung beendet, wobei Janisch sich anschließend an die Tische zu den erschienenen Insulanergruppen setzte und mit diesen Gespräche führte. Mehrere Zuhörer übten indes in Gesprächen mit JNN Kritik an den Vertretern der Wählergemeinschaft, die es versäumt hatten, vorher ein gemeinsames Briefing über die Themen, die an diesem Abend mit Sicherheit auf den Tisch kamen, durchgeführt zu haben. Zudem sei das für Juist existenzielle Thema Tourismus/Fremdenverkehr/Vermietung bis auf die Kritik an den Zahlen des Haushaltes der Kurverwaltung gar nicht angesprochen worden.
TEXT UND FOTO: STEFAN ERDMANN (mit Material und Notizen von FRIEDERIKE SCHMERMBECK)

