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Aus der Region: Fährverkehr nach Ameland auf politischer Agenda in Den Haag
JNN blickt von Zeit zu Zeit gerne mal auf die ostfriesischen Nachbarinseln, aber auch gerne mal auf die Nord- und Westfriesischen Inseln, wo es oft ganz andere Probleme gibt. Sorge breitet derzeit die Fährverbindung zur Insel Ameland, denn die Fahrrinne durch das Wattenmeer zum Festlandshafen Holwerd muss regelmäßig ausgebaggert werden.
Die Erreichbarkeit von Ameland steht diese Woche in Den Haag ganz oben auf der politischen Agenda. Am Donnerstag wird das Abgeordnetenhaus unter anderem die Schifffahrtsroute Holwert–Ameland und die Konzessionen für die Friesischen Wattenfähren erörtern.
Im Vorfeld der Debatte setzen sich It Fryske Gea, eine Naturschutzorganisation für die Provinz Friesland, und die Waddenvereniging, ein nationaler Verband zur Erhaltung des niederländischen Wattenmeeres, für eine Reduzierung der Anzahl der per Fähre zur Insel transportierten Pkw und Lkw ein. Laut den Organisationen wird das Wattenmeer immer flacher, was regelmäßige Ausbaggerungen erforderlich macht, um die Schifffahrtsroute schiffbar zu halten. Sie argumentieren, dass das Transportsystem besser an die natürlichen Gegebenheiten angepasst werden müsse.
Sie schlagen vor, leichtere Schiffe einzusetzen und den Schwergutverkehr auf die Hochwasserzeiten zu beschränken. Zudem sehen sie Chancen in alternativen Gepäcktransportmitteln, wodurch Touristen weniger auf ihre eigenen Autos angewiesen wären.
Die Gemeindeverwaltung von Ameland betont jedoch, dass eine gute Erreichbarkeit für die Wirtschaft und die Lebensqualität der Insel unerlässlich ist. Laut Gemeindeverwaltung wurde dieses Thema in den letzten Wochen intensiv erörtert, unter anderem während eines Arbeitsbesuchs von Abgeordneten und eines Besuchs von Robert Tieman, Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, auf Ameland. Mitglieder der Gemeindeverwaltung befinden sich derzeit in Den Haag, um die Bedeutung einer zuverlässigen Fährverbindung zu bekräftigen.
Die Reederei Wagenborg Passagierdiensten hatte zuvor erklärt, sie sei an die Konzessionsbedingungen der Regierung gebunden, arbeite aber daran, die Flotte nachhaltiger zu gestalten.
Die Insel Ameland ist von Juist und Borkum aus gesehen die zweite bewohnte Watteninsel der Niederlande. Ameland hat ca. 3.800 Einwohner, es gibt dort vier Ortschaften, Hauptort ist Nes. Rund 500.000 Touristen zählt die Insel jährlich. Eine Besonderheit: Bis zu 20.000 Kinder und Jugendliche, überwiegend aus Nordrhein-Westfalen, bevölkern jeden Sommer die Insel in großen Feriencamps.
Die Fährverbindung zwischen der Insel und dem Festlandshafen Howerd wird durch die Reederei Wagenborg Passagierdiensten betrieben, die auch von Lauwersoog die Nachbarinsel Schiermonnikoog bedient. Nach Ameland setzt Wagenborg die beiden Doppelendfähren „SIER“ und „OERD“ ein. Regulär gibt es täglich sechs Abfahrten, die aber bei Bedarf entsprechend erhöht werden. Die Überfahrt dauert 50 Minuten, zudem gibt es zwei kleine Schnellfähren, die ebenfalls von Wagenborg betrieben werden und die Strecke in 20 Minuten schaffen.
Interessant und für die deutschen Nordseeinseln ungewohnt ist die Tarifstruktur für die Fährüberfahren. So wird auf den Cent genau kalkuliert und abgerechnet, auch gibt es dort Sommer- und Winterpreise. (Sommer: 1. April bis 30. September) Hier eine kleine Übersicht der wichtigsten Preise (Zahlen im Klammern sind die Winterpreise) für die Saison 2026 (jeweils Hin- und Rückfahrt):
PKW (nur Fahrzeug, ohne Insassen): 136,70 Euro (113,92),
Erwachsene: 21,15 Euro (17,68)
Kinder (4 – 11 Jahre): 11,62 Euro (10,04)
Fahrrad: 13,36 Euro (11,14)
Fahrradanhänger/Wippe: 9,54 Euro (7,96)
Hunde: wie Fahrradanhänger
TEXT UND FOTO: PRESSEBÜRO AMELAND, übersetzt und erweitert von STEFAN ERDMANN, QUELLEN: OMROEP FRYSLAN, INSELGEMEINDE AMELAND, REEDEREI WAGENBORG

