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Rat und Verwaltung: Dauerwohnraum, Druckrohrleitung und Digitalisierung stehen 2026 an
Rund 60 Einwohner kamen in diesem Jahr zum Neujahrsempfang von Bürgermeister Dr. Tjark Georges in das Hotel „Friesenhof“. Nach einem musikalischen Auftakt mit dem Akkordeon durch Thomas Fisser vom Shanty-Chor begann der Verwaltungschef mit einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr, dem ein Ausblick auf 2026 folgte.
Dabei verglich er Juist mit den Vorgängen auf unserem Planeten: „Wir haben alles recht gut im Griff und im übertragenden Sinne hoffen wir, dass sich die nationalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das Buchungsverhalten nicht zu sehr auf unseren Tourismus auswirken.“ Und weiter hieß es: „Bislang spüren wir noch nicht soviel von herannahenden Zollschranken, angeblich typischen Stadtbildern, die nichts mit unserem bunten Inselbild zu tun haben, aber entspannt sind wir nicht.“
Aktuell habe Juist laut Einwohnermeldeamt 1.620 Einwohner, auch wenn es infolge einer kleinen Volkszählung des statistischen Landesamtes nur noch 1.193 Einwohner sein sollen. Noch seien diese Zahlen nicht final bestätigt, da mehrere Rechtsverfahren dagegen eingeleitet worden sind, auch Juist habe sich einer Sammelklage angeschlossen.
Die Ergebnishaushalte der Kommune der letzten Jahre lagen etwa bei zehn bis zwölf Millionen Euro. Die Haupteinnahmequellen sind die Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Grundsteuer-B, Gemeindeanteile an Est. und Ust. Die Haushalte seien ausgeglichen, man können allen Verpflichtungen nachkommen, so Goerges, und wenn eine große Oldenburger Zeitung kommentiere „Juist ist arm wie eine Kirchenmaus“ dann zeuge dieses von wenig Hintergrundwissen.
Eine große Belastung für Juist bei den wiederkehrenden Ausgaben sei die Kreisumlage mit mehr als 1,9 Millionen. Es wird davon ausgegangen, dass diese wahrscheinlich steigen wird, allerdings gäbe es keine Gegenfinanzierung. Auch wies der Bürgermeister darauf hin, dass der Gewerbesteuersatz von 380 Prozent seit über 10 Jahren unverändert sei.
Im Vorjahr war das dominante Projekt die Erstellung und Eröffnung des neuen Feuerwehrgerätehauses, jetzt gilt es, eine Nutzung für das alte Gebäude zu finden. Zusätzlich war es möglich, die Tennisanlage zu sanieren, auch durch finanzielle Mitwirkung vom Juister Tennis Club am Meer. Weiter konnte der Landeplatz für den Rettungshubschrauber aus dem Hafenbereich verlegt werden.
Auch auf die fehlende Anbindung des Flugplatzes an das Dorf ging Goerges ein. Das Dilemma gipfelte in einem Bürgerbegehren und der Entscheidung, dass der zukünftige Passagierverkehr nicht mit Wegebahnen zulässig ist, was für zwei Jahre gilt. Als Resultat wurde ein Rechtsgutachten, ein Verkehrsplanentwurf und eine Stellungnahme eines Gutachters erstellt. Dieses Paket soll jetzt mit der Landesbehörde bewertet werden und womöglich als Präzedenzfall den Passagiertransport per Pferdekutsche für den ÖPNV ermöglichen.
Goerges gab aber auch einen Ausblick auf dieses Jahr: „Das was auf uns zukommt, erinnert mich an die Jahreslosung der evangelischen Kirche: „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu" (Offenbarung 21, Vers 5). Da geht es erst einmal um die weitere Digitalisierung innerhalb der Verwaltung, die Webseite der Inselgemeinde soll völlig neu überarbeitet werden unter anderem mit digitalen Formblättern und auch einer digitalen Gästebeitragsabrechnung. Dramatisch sei weiterhin die angespannte Personalsituation in der Verwaltung, es gäbe dort Herausforderungen bei der Neubeschäftigung von technischen Fachkräften.
Dauerwohnraum sei eines der wichtigsten Themen, so der Bürgermeister. Der durch die Gemeinde erworbene Gebäudedrilling als Mehrfamilienhaus im Ostdorf soll im Mai bezugsfertig sein. Der Bauleitplan des Projekts „Bant Eyland“ der Baugenossenschaft wurde jetzt final beschlossen und wird dann durch den Landkreis in das Genehmigungsverfahren geführt. Der Bau eines Mehrfamilienhauses „Isolierstation“ verzögert sich weiter, da man durch begrenzte Personalkapazitäten noch keine klare Antwort geben kann, wie das Projekt finanziell umgesetzt werden kann und ob es gefördert werden muss oder nicht.
Für die Schule (aktuell weniger als 70 Kinder) wird jetzt das Thema Ganztagsbetreuung für die Grundschüler zum nächsten Schuljahr relevant und muss zeitnah geplant und vorbereitet werden. Dabei stellt die geringe Schülerzahl die Kommune vor große Herausforderungen.
Auch die zukünftigen Energiekonzepte für Juist waren ein Thema. Die Kommune stimmt sich mit Fachbüros über mögliche Energiekonzepte ab, die im Idealfall das Ziel der Energieautarkie erreichen können. Nächste Gespräche mit der EWE finden Anfang März 2026 statt. Die Verwaltung plant ein größeres Photovoltaikprojekt zur Umsetzung eines höheren Autarkiegrades, der gegenwärtig bei einem Prozent liege.
Das Projekt Druckrohrleitung, die Erneuerung der Abflussleitung vom Ort zur Kläranlage, befindet sich in der Genehmigungsplanungsphase und wenn es ganz schnell geht, könnte eine Baugenehmigung noch in 2026 gestellt werden. Hier gäbe es eine enge Abstimmung mit dem NLWKN, der Nationalparkbehörde und dem Landkreis, da der geplante Deichbau erst nach Erstellung der neuen Druckrohrleitung möglich sein wird. Die neue Leitung solle dabei nicht mehr wie geplant über die Salzwiesen verlaufen, sondern in die Billstraße verbracht werden, die damit gleichzeitig saniert und zur Deichverteidigungsstraße ausgebaut würde.
TEXT UND FOTOS: STEFAN ERDMANN

