Drei Tage vor seinem 93. Geburtstag verstarb mit Joachim Rust der zweitälteste Juister Mann am 29. Mai 2026. Er gehörte zudem zu den letzten drei noch hier lebenden Flüchtlingen, die am 10./11. März 1945 nach Juist kamen. Mehr als 850 Menschen aus der Gegend rund um Stettin kamen damals auf die Insel.
Der Zwölfjährige wuchs dann auf Juist auf und war besonders vom Wattenmeer fasziniert. Er machte eine Lehre als Eisenwarenhändler bei der Juister Firma Reinhard Behrends, war einige Jahre in diesem Beruf in Oberhausen-Sterkrade tätig, und kehrte dann wieder nach Juist zurück. Er heiratete mit Marie Steimer eine gebürtige Juisterin, die drei Kinder Insa, Heyo und Edda kamen zur Welt und „Jumbo“, wie er überall genannt wurde, war lange Jahre als kaufmännischer Leiter im früheren Bauunernehmen Joh. Wilken tätig.
Sehr aktiv war er als Mitglied vom Segelklub Juist, wo er bereits seit 1953 dabei war. Hätte er ein Buch über sein Leben geschrieben, dann würden seine gemeinsamen Fahrten mit Nikolaus Habbinga, die jährlichen Segelregatten im niederländischen Termunterzijl oder die Zeit, als er gemeinsam mit Franz Veit einen uraltes Segelboot hatte, sicher viele und sicher auch amüsante Seiten füllen. Über viele Jahre war er zudem als Kassenwart im Vorstand vom SKJ tätig, wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es nicht immer so einfach war, denn Rust hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, auch wenn sie im Gegensatz zum restlichen Vorstand stand.
Aber er hatte noch eine Leidenschaft, nämlich Juister Geschichte, vor allem Juister Familiengeschichte. Obwohl in Podejuch geboren kannte er sich mit den Juister Familien aus, und wenn man etwas über Verwandschaftsverhältnisse wissen wollte, dann fragte man Jumbo. Der Verfasser dieses Nachrufes saß vor vielen Jahren neben ihm auf einem Geburtstag, da machte er zwei - bereits lange verstorbenen - Juistern klar, dass sie miteinander verwandt waren, was sie bis dato selbst nicht wußten.
Auch JNN war er oft eine große Hilfe, z.B. wenn alte Häuser abgerissen wurden und wir gerne etwas darüber schreiben wollten, wer darin früher gewohnt hatte usw. Trotzdem blieb er auch seiner alten Heimat in Pommern verbunden, nach der Maueröffnung fuhr er gerne in den Osten, unterhielt Kontakte zu Gruppen und früheren Einwohnern von Podejuch.
Sein Interesse an der Juister Geschichte führte auch dazu, dass er anfing, alte Bilder von der Insel zu sammeln. Ob Fotos, Ansichtskarten oder Dokumente, alles wurde von ihm sorgsam digitalisiert und wuchs mehr und mehr zu einer beachtlichen Sammlung. So bekam er auch Sammlungen anderer Personen, z.B. des vor einigen Jahren verstorbenen Juister Stammgast Hartmut Pagela, der gezielt Juister ansprach, was sie noch hätten. Auch dessen umfangreiches Archiv ging unter anderem in die Rust-Sammlung, weil Pagela seine Ergebnisse auch auf Juist erhalten wollte. Wenn wir von JNN – jetzt sind wir wieder bei dem Abriss alter Häuser – bei Jumbo nach alten Bildern fragten, dann rückte er die immer bereitwillig raus.
Vor drei oder vier Jahren kam er dann: „Ich gehe langsam auf die neunzig zu, ich möchte gerne, dass meine Sammlung weiter sichtbar und zur Verfügung bleibt, hier hast du einen Stick, da ist alles drauf.“ Hierfür ist JNN und die Inselpresse ihm sehr dankbar! - Seine grenzenloses Wissen über die Insel und ihre Familien wird uns sehr fehlen, aber auch in Zukunft wird man sicher weiterhin auf JNN alte Fotos mit den Nachweis „ARCHIVFOTOS: SAMMLUNG JOACHIM RUST“ finden.
Die Trauerandacht für Joachim Rust mit anschließender Beisetzung findet am Samstag, den 06. Juni 2026, um 14:00 Uhr in der evangelischen Inselkirche statt.
TEXT UND ARCHIVFOTO: (aufgenommen beim Musikfestival 2024) STEFAN ERDMANN