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Rat und Verwaltung: Verärgerung über Rettungsdienst wächst beim Rat und Bürgermeister

Beigetragen von S.Erdmann am 29. Apr 2026 - 21:45 Uhr

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Der Gemeinderat tagte am Dienstagabend, dabei wurde der erste Schritt hinsichtlich der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung auf den Weg gebracht. Mehrheitlich beschloss der Rat, die Verwaltung zu beauftragen, im Sinne des Wärmeplanungsgesetzes die kommunale Wärmeplanung aufzustellen und die Leistungen zur Erstellung im Rahmen eines Vergabeverfahrens auszuschreiben.

Ein weiterer Punkt, der auch schon im Bauausschuss behandelt wurde, war ein Antrag auf eine Ausnahme von der Veränderungssperre für den Bebauungsplan 1 (Ortskern). Wie berichtet, will die Vermietungsagentur wfv in die Räumlichkeiten der früheren Firma „Nordsee-Bike“ umziehen. Allerdings ist dieses strittig, da es sich bei der Firma auch um eine Immobilien-Maklerbüro handelt und die Veränderungssperre wurde erlassen, um zu klären, ob diese Büros in Ortskern Platz finden können. Dieses vor dem Hintergrund, dass es bereits in dem Bereich zwei nicht genehmigte Maklerbüros gibt.

Inzwischen lag eine Stellungnahme vom Landkreis Aurich vor, wonach man sich das ganze Verfahren mit Veränderungssperre und Prüfung sparen kann, wenn man nun eine Ausnahme macht, was zudem zu einem Präzedenzfall werden könne. Das Verfahren soll in ca. drei bis maximal sechs Monaten abgeschlossen sein, wenn dann alles geklärt sei, wolle man danach entscheiden. Solange sollte der Antragsteller warten, so der Bürgermeister, wobei man dann einen entsprechenden Leerstand am Ortseingang über den Sommer zu Kauf nehmen würde.

Angenommen wurde hingegen ein Antrag auf eine Befreiung von der Grundflächenzahl auf einem Grundstück im Ortskern, wobei der Lebensmittelhandel Gillet auf seinem Grundstück Teile überdachen muss, um Auflagen vom Gesundheitsamt erfüllen zu können. Der Rat stimmte einstimmig zu – wobei Ratsherr Tjard Gillet an Beratung und Abstimmung nicht teilnahm – und hatte zuvor auf Anraten des Bauausschusses den Beschlussvorschlag dahingehend erweitert, dass die Nutzung der neu gewonnenen Fläche ausschließlich als Lagerfläche für den Lebensmittelmarkt gebunden ist.

Die bisherigen Praktikumsstellen im Bereich Strandsport und Animation bei der Kurverwaltung sollen für die kommende Saison vorübergehend durch zwei tariflich beschäftigte Saisonkräfte ersetzt werden. Eigentlich wurde bereits 2025 beschlossen, die Praktikumsplätze zukünftig durch Bundesfreiwilligenddienstleistende (Bufdis) zu ersetzen. Allerdings gab Thomas Vodde zu, den Antrag dafür zu spät gestellt zu haben, so dass mit einer solchen Besetzung erst zum Saisonende ab September zu rechnen sei. Björn Westermann (Pro Juist) bemängelte, dass in der Beratungsvorlage zu diesem Punkt die finanziellen Auswirkungen nicht eingetragen waren und stimmte gegen den Beschlussvorschlag.

Zwei weitere Punkte der Tagesordnung, die sich mit der Verpachtung von Weideflächen beschäftigten, waren vom Verwaltungsausschuss zurückgenommen und konnten daher nicht beraten werden. Einstimmig wurden die sogenannten Durchlaufspenden für die Feuerwehr in Höhe von rund 12.500 Euro aus 2025 angenommen und an die Feuerwehr weitergeleitet.

Bürgermeister Dr. Tjark Goerges teilte mit, dass der Haushalt 2025 zwischenzeitlich vom Landkreis genehmigt wurde. Auf JNN-Nachfrage nach dem 2026er Plan erklärte er, dass man bereits die Pläne für die Eigenbetriebe fertig habe, derzeit sei man beim Stellenplan und der Kämmerer geht davon aus, das der Plan Ende Mai in die zuständigen Gremien (Ausschüsse usw.) gehen könnte.

„Das Projekt Seeferienheim sieht vom Grundsatz her positiv aus,“ stellte der Verwaltungschef bei den Kenntnisgaben fest. Es gehe noch um eine energetische Sanierung und natürlich um das Geld, aber er schätzt, dass die Angelegenheit in rund vier Woche über die Bühne sei, d.h. dass es einen Pächter gäbe.

Das alte und ausgemusterte Löschgruppenfahrzeug der Wehr, das kürzlich durch einen modernen Neubau ersetzt wurde, konnte jetzt an eine Gemeinde in Schleswig-Holstein verkauft werden, es wurde dafür noch ein Betrag von 53.000 Euro bezahlt. Mit der Feuerwehr wurde über den Problempunkt Oberflurhydranten auf dem Weg zum Flugplatz gesprochen, auch dieses laufe nun, damit zukünftig bei Dünenbränden in dem Bereich entsprechende und funktionierende Wasserentnahmestellen vorhanden sind.

Das Projekt Strandbar im Ostbad wurde erst einmal zurückgestellt, so Goerges, weil man derzeit andere Prioritäten setzt. Bei einem Gespräch mit den Strandkorbvermietern wurde darüber gesprochen, dass noch eine weitere Halle zwischen Damenpfad und Schoolpad angedacht werden müsse. Heike Heiken (Grüne) bemängelte, dass das Gespräch mit den Strandkorbvermietern erstmalig ohne Beisein vom Rat stattfand, ebenso gab es Gespräche mit der Schule z.B. über die Ganztagsbetreuung, wo sie als Vorsitzende vom Schulausschuss nicht dabei war.

In der Einwohnerfragestunde beklagte ein Schülersprecher, dass seit November keine Sitzung des Schulausschusses stattgefunden hätte, man wüsste überhaupt nicht, wo man Ideen und Vorschläge einbringen könnte. Es wurde Weg aufgezeigt, diese einzubringen. Laut dem Bürgermeister wurde zwar angeregt, statt ein- bis zweimal im Jahr in jedem Vierteljahr eine Schulausschusssitzung zu machen, allerdings fehle es oft an Themen.

Simon Lautenschläger, zugleich Pächter der Minigolf- und Trampolinanlage, übergab dem Rat einen Antrag hinsichtlich des Standortes seines Bungee-Trampolins. Nachdem es am Strand nicht funktioniere und der anschließende Standort am Spielplatz im Zwischendeichgelände bei der Nachbarschaft wenig Anklang fand, möchte er das Sportgerät jetzt erst einmal in dem Bereich im Zwischendeichgelände, wo der Zirkus, Spielefeuerwehr und andere Dinge betrieben werden, aufstellen bis eine endgültige Lösung gefunden ist. Der Rat konnte den Antrag nicht behandeln, es soll aber geprüft und dann über die Ausschüsse beraten werden.

Thema waren auch wieder der Rettungsdienst des Landkreises, dessen mangelnde Personalausstattung vermehrt dazu führt, dass die Feuerwehr mit den ehrenamtlichen Helfern unterstützend mitwirken muss. Eine Nachfrage hat als Antwort ergeben, dass der Landkreis ausgerechnet hat, dass alles so ausreichend ist. Das sieht man auf Juist indes anders, Bürgermeister Goerges stellte fest, dass der Landkreis versucht, Kosten zu senken: „Wir müssen uns auf die Hinterbeine stellen, damit nachgebessert wird.“ Der Verwaltungschef will zumindest, dass während der Saison ein sogenannter Hintergrunddienst vorhanden ist.

Ratsherr Björn Bolte (CDU) war zu Ohren gekommen, dass bei einem Einsatz an einem Hotel sogar nur ein einziger Sanitäter da war und die Feuerwehr helfen musste. Er regte an, dass diese Feuerwehreinsätze auch entsprechend dem Rettungsdienst in Rechnung gestellt werden müsse: „So geht das hier vom Grundsatz her alles nicht.“

Ratsherr Gerhard Jacobs (CDU), selbst Mitglied in der Feuerwehr, hält den derzeitigen Rettungsdienst ebenfalls für nicht ausreichend, es sei sogar schon eine Trage im Mannschaftswagen der Feuerwehr transportiert worden. Er sei enttäuscht, die Versprechungen nach dem Wechsel von einem privaten Anbieter an den Kreis wurden nicht erfüllt, der damalige Anbieter (Anmerkung der Redaktion: Der DRK-Ortsverband Juist) hätte einen sehr viel besseren Service geboten: „Jetzt verhungern wir hier am langen Arm,“ stellte er abschließend fest.

Ratherr Tjard Gillet (Grüne) wollte den Anbieter wechseln, doch das geht nicht, denn der Rettungsdienst ist Sache der Landkreise und diese entscheiden selbst, ob sie diese Aufgabe an anderen Unternehmen vergeben oder selbst durchführen.

Unser Archivfoto vom vergangenen Sommer zeigt das Bungee-Trampolin, welches auf dem Spielplatz auf dem Zwischendeichgelände aufgebaut war.

TEXT UND FOTO: STEFAN ERDMANN

 
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